Vorwort
Einem Menschen zu begegnen, der das Leben eines anderen bereichert, ist ein einzigartiger Gewinn und ein besonderes Geschenk.
Einer Heiligen zu begegnen, die einem Menschen Lebensmut und Hoffnung, Lebensfreude und eine besondere Form der Liebe zu Gott
und den Menschen zu vermitteln vermag, bereichert umso mehr.
Theresia von Lisieux ist eine solche Heilige, bei der es eine Freude ist, ihr Leben und Wirken näher kennen zu lernen. Faszinierend ist es,
dass eine junge Karmelitin hinter den Mauern ihres Klosters über ein Jahrhundert nach ihrem Tod noch im modernen dritten Jahrtausend
Menschen in ihren Bann zu ziehen vermag. Theresia von Lisieux ist in der Tat eine Heilige, die Menschen aller Generationen heute noch
etwas Wichtiges für deren Leben zu sagen hat. Dies hat die Reliquienreise der Heiligen in den Jahren 2007 und 2008 durch Deutschland
eindrucksvoll gezeigt. Überall dort, wohin die Reliquie der kleinen Theresia, wie sie liebevoll im Volksmund genannt wird, zur Verehrung kam,
sammelten sich Menschen, um sich von ihr ansprechen zu lassen, um ihre Hilfe und ihren Beistand zu erbitten. Die junge Schwester Theresia
vom Kinde Jesus und vom heiligen Antlitz starb mit gerade einmal 24 Lebensjahren und verbrachte davon lediglich 9 ½ Jahre im Karmel der
kleinen französischen Stadt Lisieux in der Normandie. Dennoch hat sie eine großartige Botschaft hinterlassen, weil sie es verstanden hat,
aus dem Geheimnis Gottes zu leben, obwohl sie durch alle Höhen und Tiefen eines geistlichen Lebens hindurchgegangen ist. Leidvoll hat sie
auch eine Gottesfinsternis bestehen müssen, die sie bis an ihre menschlichen Grenzen geführt hat.
„Der kleine Weg“, den sie für sich gelebt und uns vorgelebt hat, ist das wunderbare und zugleich wertvolle Testament für unsere Zeit.
Theresia ist diesen kleinen Weg in grenzenlosem Vertrauen auf Gott und in Liebe gegangen und ist dadurch eine große Heilige geworden,
zu der wir bis heute aufschauen und von der wir lernen können. Ihr „kleiner Weg“ in ihrem kurzen Leben war nichts Außergewöhnliches,
wohl aber hat sie das Gewöhnliche außergewöhnlich gut vollbracht. Sie ist aus Liebe den Spuren Jesu gefolgt und diese Spuren sind nichts
anderes als Liebe. Ihre tiefste Überzeugung war, dass Gott existiert, dass er da ist, und deswegen konnte sie in einer solchen Beziehung zu
Gott ihr Leben gestalten und deuten. Somit war ihr Leben ein existentielles Zeugnis, denn alles in ihr drehte sich um eine konkrete Achse,
die ihr als Geschenk vom lebendigen Zeugnis ihrer Eltern und ihrer Schwestern, der leiblichen und der klösterlichen Mitschwestern, gegeben
wurde, nämlich die Gegenwart Gottes in ihrem Leben und im Leben der Welt. Hierzu haben ihre im Jahre 2008 in Lisieux selig gesprochenen
Eltern Louis und Zélie Martin durch ihr vorbildlich christlich geführtes Leben beigetragen. Deswegen gehören ihre Eltern nicht nur wesentlich
zu ihrer Lebens-, sondern auch zu ihrer Heiligenbiografie dazu. Theresia von Lisieux führte ein Leben aus dem Geheimnis Gottes, das sie
immer mehr entschlüsselte. Sie verstand, dass letztlich nur die Liebe zählt, die Gott uns Menschen schenkt.
Theresia von Lisieux – eine Faszination der Neuzeit, die uns heute eine Antwort geben kann, damit der christliche Glaube lebendig bleibt und
lebensnotwendig für den Menschen und die Welt ist. Wer in ihr Leben und in ihre Spiritualität hineinblickt, entdeckt, wie unerschöpflich der
geistliche Reichtum ist, den sie uns anbietet, und wie wertvoll der Schatz ihrer Lebenslehre für uns heute in dieser konkreten Zeitstunde ist.
Wer sich ihr nähert und sich von ihrem Leben und ihrer geistlichen Tiefe berühren lässt, lebt nicht nur selber aus dem Geheimnis Gottes,
sondern das Geheimnis Gottes lässt sich auch für ihn erschließen. Wer bei dieser Heiligen in die geistliche Schule geht, der wird auch sein
eigenes Leben besser verstehen und deuten können, denn sie lehrt uns eine einzigartige Liebe, die in die Liebe verwandelt.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, dass dieses Buch dazu beiträgt, dass Ihr persönlicher Glaube nicht ermüdet, sondern gestärkt wird.
Sie mögen ermutigt werden, sich auf das Abenteuer eines Geheimnisses einzulassen, das Gott heißt und die Liebe ist. Ich bin sicher, dass Sie nicht
enttäuscht, wohl aber zum Leben ermutigt und begeistert werden!
Sehr herzlich danke ich allen Autoren, die einen Beitrag für dieses Buch geschrieben und so die Schatzkammer theresianischer Spiritualität
geöffnet haben. Jeder Beitrag ist nicht nur lesenswert, sondern ist gleichzeitig auch Anregung, diese wunderbare Heilige näher kennen zu lernen
und das eigene Leben in den Blick zu nehmen und es im Spiegel theresianischer Frömmigkeit zu meditieren, um dem Geheimnis Gottes auf die Spur
zu kommen. Herzlich danke ich auch meiner Sekretärin, Frau Ursula Karrenbauer, für die Hilfe zur Erstellung dieses Buches und Frau Ilona Engel,
die Korrektur gelesen und mir wertvolle Hinweise gegeben hat, sowie den Mitarbeitern des Paulinus Verlages in Trier.
Kutzhof, am Tauftag der heiligen Theresia von Lisieux, am 4. Januar 2011
Klaus Leist